Blick in den Modus-Keller 1997
Blick in den Modus-Keller 1997

Kreuzberger Stuhlgeschichte

Dieser Stuhl stand  im November 1996 vor einem türkischen Krämerladen irgendwo in Kreuzberg. Ich entdeckte ihn da und nahm ihn sofort mit. Und kaufte 69 weitere, die ich alle im Modus-Keller einlagerte. Mich hat dieser Stuhl fasziniert und ich wollte etwas mit ihm machen. Auf keinen Fall verkaufen.

Für mich ist er der Stuhl an sich und er stellt viele Folgende in Frage.

 

Seine Geschichte ist diese:

Dieser türkische Kaufmann hatte den Auftrag eines Landsmanns für die bevorstehende Hochzeit seiner Tochter 100 oder 200 Stühle zu besorgen. Das tat er dann auch. Er kaufte sie im hintersten Anatolien. Die Hochzeit wurde gefeiert, man kann es wunderbar an der vorderen Zarge sehen, auf die alle Herren ihre blankgeputzten Schuhe abgestellt haben. Ja, und dann kamen die Stühle wieder zurück zum Kaufmann und nun versuchte er sie für 15 ,– DM das Stück zu verkaufen. Ich hoffe, er ist sie losgeworden. Das ist die Geschichte, wie ein Stuhl aus Anatolien nach Berlin kommt. Und wie es weitergeht, ist nun eine Modus-Geschichte geworden.

"Der Stuhl an sich" in der Nanimarquina Ausstellung

Eine Ausstellung (unvollendet)

Die Pläne, daraus eine Ausstellung zu machen, ein Buch oder eine Installation, haben sich irgendwie verlaufen. Aber über die Jahre war der Stuhl ein schönes Geschenk, ein Sammlerstück und so sind nur noch wenige übrig.

"Der Stuhl an sich" in der Nanimarquina Ausstellung

Für die Ausstellung der Chilida Kollektion von nanimarquina  hat sich Tobias Solcher an die letzten Exemplare erinnert und sie aus dem Keller ins Geschäft geholt. Und so kommt  der Stuhl doch noch in eine Ausstellung.  Es gab sofort  viele Anfragen, ob der Stuhl zu verkaufen sei. Ist er nicht. Aber wer die Augen offenhält, findet ihn vielleicht so oder ähnlich in irgendeiner Straße irgendwo wieder.

Inez Franksen und
Inez Franksen und "Der Stuhl an sich"